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Mittwoch, 13. Juni 2012

Die Kunst des Perlenstickens - Interview mit Sigrid ('Sibea')

Kerzenschein, der sich in vergoldeten Rahmen spiegelt, Damen in fließenden Abendkleidern, dunkelrote Samtvorhänge, gedämpfte Gespräche, leise Musik ....
Sigrids Perlenstickereien wecken Bilder. Armbänder im Art Deco Stil, funkelnde Täschchen, aber auch verspielte Blüten und Blätter, die an die Siebziger Jahre erinnern - all das entspringt ihren kreativen Ideen. Oder sollten wir sagen: ihren geschickten Fingern? Ihre erste Perlenarbeit hat sie 1970 begonnen und, wie sie selbst sagt, jahrelang daran gearbeitet, um dieses kleine (25x18cm) Kunstwerk fertigzustellen.

Erst im Jahr 2000 hat sie wieder damit begonnen, und seither hat die Faszination nicht nachgelassen. Aber lassen wir sie selbst erzählen:


Würdest du dich kurz vorstellen?

Ich heiße Sigrid, bin Jahrgang 46 und wohne in Wuppertal, der größten Stadt im Bergischen Land. 
Ich bin mein Leben lang kreativ tätig gewesen, sei es mit Wolle oder Stoff oder anderen Materialien.
Seit einer Reihe von Jahren fasziniert mich die Arbeit mit kleinen und großen bunten Glasperlen, mit denen ich versuche, schöne Dinge herzustellen.
Wickelketten – in Fädeltechnik oder im Peyotestich – herzustellen bereitet mir auch große Freude.
Am liebsten sticke ich Armbänder und auch Choker nach Lust und Laune - ohne Konzept oder Vorlage und wie die Farben gerade kommen. Es ist für mich eine sehr entspannende Arbeit, auch wenn ich manchmal eine halbe Stunde oder auch länger nach einer passenden Perle suchen muß.
Habe verschiedene Techniken ausprobiert, habe mich aber fürs Perlensticken und -nähen entschieden.
Für den Winter stricke ich als Ausgleich warme Pulswärmer aus Alpaka-Wolle mit einem NorwegerMuster aus Rocailles. Ich entdecke also immer wieder Neues, was mir Spaß macht.

 Wie bist du zu deiner kreativen Tätigkeit gekommen – oder sie zu dir?

Ich bin in einem kreativen Haushalt aufgewachsen und dadurch konnte ich garnicht anders als mich auch damit zu beschäftigen.

Wie viel Zeit/Aufwand/Herzblut investierst du täglich/wöchentlich dafür?

Wenn die Zeit es zulässt, jeden Tag 2 – 3 Stunden

Erzählst du uns kurz etwas über einen typischen Tag bei dir?

An erster Stelle ausschlafen. Zweimal in der Woche gehe ich Vormittags ins Fitnessstudio um einen Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit zu haben. So sorge ich für Kraft und Ausdauer.

Woran arbeitest du gerade?

Zur Zeit habe ich mehrere Armbänder in Arbeit.


Wer oder was inspiriert dich?

Mich inspirieren meistens schöne  Perlen und auch Farben.

Was liebst du an deiner Tätigkeit am meisten?

Nach meinen Vorstellungen kreativ zu sein, ohne Vorlagen und Anleitungen.

Wenn du drei Dinge an dir oder deiner Arbeit ändern könntest – welche wären das?

Ich würde zu erst den Tag doppelt so lang machen, immer die Sonne auf meine Arbeit scheinen lassen und keine Nackenschmerzen bekommen.

Stell dir vor, du könntest unbegrenzt durch Zeit und Raum reisen: wo und wann würdest du gern leben?

Ich würde gerne zur Jugendstil - Zeit in Wien leben, diese Zeit  inspiriert mich sehr.

Welche drei Alltagsgegenstände beschreiben dich am besten/sind typisch für dich?

Perlen, Perlen, Perlen!

Welche drei Dinge würdest du gern in Zukunft noch tun oder erreichen?

Ich möchte noch laaange meine Perlenstickereien machen können.

Hast du ein Lebensmotto oder ein Lieblingszitat?

Kunst ist schön,
macht aber viel Arbeit.

Von Karl Valentin


Dankeschön! Und wenn du noch nicht genug hast – hier kommen noch ein paar Entscheidungsfragen. Verrate uns, was du lieber magst:

Sommer oder Winter?
Winter

Meer oder Berge?
Meer

London oder New York?
London

Auto oder Fahrrad?
Auto

Kaffee oder Tee?
Tee

Pommes oder Sushi?
Sushi

Schokolade oder Gummibärchen?
Gummibärchen

Fingerringe oder Ohrringe?
Fingerringe

Rock oder Hose?
Hose

Brettspiele oder Computerspiele?
Weder noch!

Schlafen oder Essen?
Essen

Ebook oder Antiquariat?
Antiquariat

Darth Vader oder Voldemort?
Kenn ich nicht

Dankeschön! 

Übrigens gibt es Sigrids Perlenkunstwerke auch zu kaufen. Hier: http://de.dawanda.com/shop/sibea!



Dienstag, 12. Juni 2012

Perlenstickerei - morgen im Interview mit 'Sibea'

Morgen endlich wird unsere Interview-Reihe starten, und den Anfang macht Sigrid von 'Sibea'. So viel sei schon verraten: Es wird um Perlenstickerei gehen.
Bei dem Wort 'Perlen' allein denkt wohl fast jeder an Schmuckstücke, schillernd, schimmernd - kleine Kostbarkeiten eben. Wir haben uns mal ein bisschen schlau gemacht und gesehen: dasselbe gilt für die Perlenstickerei, die jeden noch so schlichten Untergrund in ein kostbares Utensil verwandelt. In der Mode haben diese Stickarbeiten über viele Jahrhunderte eine Rolle gespielt. Da es eine unglaublich aufwändige Technik ist, für die nicht nur viele kleine Perlen nötig sind, sondern auch ein gutes Auge, geschickte Finger und unendlich viel Geduld, wurden damit entweder kleine Accessoires bestickt, wie Täschchen oder Etuis, oder es wurden kleine Verzierungen angebracht (das auf dem Bild ist übrigens Teil eines 'pen-wipers', ein Stoff zum Abwischen der Tintenfeder, aus Mrs. Beeton's Book of Needlework)


oder Konturen betont (hier ein Stoff aus dem Rokoko, Sammlung des Kyoto Costume Institure, Bd.1).


Auch wenn wir heute nur noch selten einen Federwischer brauchen und edle Stoffe höchstens noch an besonderen Festtagen eine Rolle spielen, hat sich abseits von Trends und Zeitgeist die Perlenstickerei offensichtlich eine Nische bewahren können, was Zeitschriften wie Perlen Poesie beweisen. Wir fanden das sehr beruhigend und werden uns den französischen Spielfilm "Die Perlenstickerinnen" (Orig.: Les Brodeuses ) von 2005  bestimmt bald ansehen. Vor allem aber freuen wir uns, morgen mehr schöne Stickarbeiten zeigen zu können - die von 'Sibea'!