Pastellfarbene Kostüme, kleine Hüte und Basthandtaschen, Kellybag und Pillbox, Sonne und Meer - dass Petra das San Francisco der 60er Jahre faszinierend findet, ist Ihrem Schmuck anzumerken. Sie sammelt - und verkauft - in ihrem 'Studio California' alles, was wir an Vintage-Schmuck und Accessoires so lieben - schöne, ausgefallene Teile, die typisch sind für die Zeit, in der sie entstanden sind, aber eben auch irgendwie völlig zeitlos und damit immer schick.
Netterweise hat sie sich bereit erklärt, hier etwas über sich und ihre Sammelleidenschaft zu erzählen.
Würdest
du dich uns kurz vorstellen?
Mein Name ist Petra Siehndel. Ich wuchs auf in einer kleinen Stadt in
Sachsen-Anhalt, wo ich als Schuhnaeherin am Fliessband arbeitete. Ich verliess
diese Richtung Hamburg zusammen mit meiner damals 2 Jahre alten Tochter in 1984.
In Hamburg habe ich studiert und meinen Abschluss als
Diplom-Betriebswirtin gemacht und anschliessend viele Jahre in verschiedenen
Media Agenturen als Mediaberaterin gearbeitet. In 1999 besuchte ich zum ersten
Mal San Francisco aufgrund eines Jobtrainings und verliebte mich unsterblich in
diese wundervolle Stadt und deren Menschen. Ich lebte dort von 2006 bis Ende
2011 und lernte endlich die englische Sprache, was mein Herzenswunsch war seit
Jahren.
Wie bist
du zu deiner kreativen Tätigkeit gekommen – oder sie zu dir?
Waehrend
meines Aufenthaltes in SF begann ich meine "alten" Hobbies aufleben
zu lassen, um mir ein Taschengeld zu verdienen, denn schliesslich musste ich
die Sprachschule finanzieren. Ich begann Taschen zu naehen und bot diese
zunaechst auf etsy.com an, spaeter auf Dawanda. In SF zog es mich durch Zufall
in die sogenannten thrift shops, wo ich meine Leidenschaft fuer Vintage
entdeckte. Zunaechst kaufte ich diese wundervollen Handtaschen, deren Design und
guter Erhaltungszustand mich total begeisterten. Es gab Tage, wo ich mit sechs
bis zehn Taschen bepackt nach Hause kam und mich den restlichen Tag erfreute an
den den Schaetzen, die ich gefunden hatte. Als es zu viele wurden, bot ich
einige Modelle auf Dawanda an, die ich in kurzer Zeit verkaufte. Ich naehte
weiter meine eigenen Taschen, aber bald hatte ich nur noch Augen fuer den
Bereich Vintage. Ich erweiterte mein Angebot um Portemonnaies, Kleidung, Schuhe
und schliesslich Schmuck. Der Bereich Schmuck eroberte schnell mein Herz, denn
der amerikanische Vintageschmuck ist einmalig in Design und Verarbeitung, denn
die frueheren Manufakturen beschaeftigten bekannte Designer und bezogen ihr
Material nur von den besten Quellen.

Wie viel
Zeit/Aufwand/Herzblut investierst du täglich/wöchentlich dafür?
Am
Anfang investierte ich viel Zeit, um mehr ueber die Schmuckdesigner und
Handtaschenlabels zu erfahren. Ebenso viel Zeit investierte ich, um meine
Produktfotos ansprechend zu fotografieren, testete unterschiedliche Kameras,
baute mir eine Lichtbox und orientierte mich an bereits erfolgreichen
Verkaeufern. Das war fast ein Vollzeitjob, denn ich musste ja auch fuer
Nachschub sorgen und shoppen gehen :)
Diese
Ablaeufe sind zur Routine geworden und so spare ich natuerlich Zeit. Wie viel
Zeit ich woechentlich benoetige, haengt aber von den Verkaeufen ab. Wenn ich
abverkaufe, stelle ich sofort neue Produkte ein, das heisst 1. Auswahl, Fotos,
Beschreibung, Einstellen.
Erzählst
du uns kurz etwas über einen typischen Tag bei dir?
Ich stehe
jeden Tag gegen 7:30 Uhr auf und checke bereits beim Morgenkaffee meine Emails. Den
Vormittag an Wochentagen verbringe ich in Second Hand Shops und Antiquitaetenlaeden
auf der Suche nach Schnaeppchen. An Wochenenden gehe ich gern auf Flohmaerkte.
Schmuck beziehe ich fast ausschliesslich ueber meine amerikanischen Kontakte.
Nicht selten werde ich von Kundinnen auch beauftragt, nach einem bestimmten Schmuckstueck
zu suchen. Das ist meist ein langer Prozess.
Woran
arbeitest du gerade?
Ich
werde in der naechsten Zeit meine amerikanischen Vintagehandtaschen wieder
einstellen und auch andere Dinge, wie Wohnungsdeko und
Haushaltsgegenstaende ... meine Schraenke sind zu voll :) Ich habe noch zwei
andere Shops auf Dawanda, die ich bisher vernachlaessigte. Ich moechte jedoch
wieder selbst naehen und Schmuck anbieten aus meiner kleinen Manufaktur. Dinge
selbst herzustellen ist mir ein Urbeduerfnis und fehlt mir jetzt doch.
Wer oder
was inspiriert dich?
Mich
inspirieren Bastelarbeiten, vornehmlich japanische. Die Japaner sind fuer mich
die kreativsten und begabtesten Menschen hinsichtlich Handarbeiten und
inspirieren mich seit Jahren. Mein naechstes Projekt moechte ich mit meiner
Mutter zusammen machen. Eine Handtasche aus Altpapier in Flechtoptik -
unglaublich aufwendig, aber einmalig. Ich habe bereits ein Modell
Was
liebst du an deiner Tätigkeit am meisten?
Dass ich
meine Ideen ausleben, meine Fertigkeiten mit jedem Projekt verbessern und
Menschen damit gluecklich machen kann.
Wenn du
drei Dinge an dir oder deiner Arbeit ändern könntest – welche wären das?
Wenn ich
mit meinen Shops meinen Lebensunterhalt verdienen koennte, meine Begeisterungsfaehigkeit
besser kontrollieren koennte ;) und wenn unter den Verkaeufern auf Dawanda ein
besserer Austausch stattfinden wuerde.
Stell
dir vor, du könntest unbegrenzt durch Zeit und Raum reisen: wo und wann würdest
du gern leben?
In SF in
den 60ern
Hast du
ein Lebensmotto oder ein Lieblingszitat?
Das
Leben ist zu kurz fuer ein langes Gesicht.
Dankeschön! Und wenn du noch nicht
genug hast – hier kommen noch ein paar Entscheidungsfragen. Verrate uns, was du
lieber magst:
Sommer
oder Winter? Sommer
Meer
oder Berge? Meer wegen meiner Hoehenangst
London
oder New York? SF :)
Auto
oder Fahrrad? nur Fahrrad, ich fahre kein Auto
Kaffee
oder Tee? Kaffee
Pommes
oder Sushi? Sushi
Schokolade
oder Gummibärchen? Marzipan
Fingerringe
oder Ohrringe? Fingerringe
Rock
oder Hose? Kleid
Brettspiele
oder Computerspiele? Lotto
Schlafen
oder Essen? Walking
Ebook
oder Antiquariat? Antiquariat
Darth
Vader oder Voldemort? who?
Vielen Dank, liebe Petra! Wie liiieeeben deinen Schmuck!